Von einer Villa, größer als manches Schloss…

Inmitten der Stadt liegt, unmittelbar östlich der Altstadt, eine heute beinahe vollständig bewaldete Anhöhe, die mittlerweile als Pflugensberg bezeichnet wird, historisch aber eigentlich Goldberg hieß.
Bei Goldberg handelt es sich freilich um einen Namen, dessen Herkunft Fragen aufwirft, da doch in Eisenach nie Gold geschürft wurde und Gold, wenn vorhanden, doch in der Stadtkasse viel eher gebraucht würde als im Stadtpark…
Die Namensherkunft hängt mit der Geschichte des Ortes zusammen. Als nämlich ab 1208 im Westen der Stadt das Katharinenkloster entstand, musste das vorher dort befindliche Hochgericht auf den Bergsporn vor dem Nikolaitor verlegt werden, der seit dem den Namen Galgenberg trug. Der unschöne Name des Berges wurde deshalb von der Bevölkerung kurzerhand zu Goldberg verschönert. Der Galgen befand sich noch bis 1805 auf dem Goldberg.
Im Jahre 1708 kaufte Agnes von Pflug, Witwe des vermögenden Obristleutnants von Pflug, ein Grundstück an den Hängen des Goldbergs und ließ dort einen großen Obst- und Gemüsegarten mit Fischteichen, Grotten und Aussichtspunkten anlegen. Auch das Grundstück des alten Lussenhofs am Frauenberg kam in den Besitz der Familie von Pflug, die beide Grundstücke über eine eigene Stadtmauerpforte und Brücke über den Stadtgraben miteinander verbinden und sich an dem Hang ein großzügiges Gartenhaus errichten ließ. Als der Garten samt Gartenhaus im Jahre 1725 von Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach gekauft wurde, bezeichnete man den Berg bereits nach der Familie als Pflugensberg.
Nach weiteren Besitzerwechseln, wurde das Gelände schließlich im Jahr 1833 vom Gründer der Eisenacher Farbenfabrik Christian Friedrich Eichel (1780-1858) gekauft und vergrößert. Gemeinsam ließen die Brüder Christian Friedrich und Karl Friedrich Eichel den Park anschließend durch den namhaften Gartenarchitekten Eduard Petzold (1815-1891) umgestalten, was von 1841-43 erfolgte. Der großzügige Garten, der nach Anmeldung auch für öffentliche Besichtigungen geöffnet wurde, fand zahlreiche Bewunderer – darunter z.B. Maria Pawlowna, Großherzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach.
Das Areal wurde im Laufe der Jahre mehrfach vergrößert und den wachsenden Ansprüchen der 1853 geadelten Familie von Eichel-Streiber angepasst. Das alte Lusthaus wurde letztmals 1861 erweitert und noch vor 1896 abgerissen, nachdem Friedrich Eduard von Eichel-Streiber schon 1885 Entwürfe für den Neubau einer großzügigen Villa anfertigen ließ. Ab 1888 erfolgte die Anlage einer großen Zufahrt zur besseren Erschließung des Areals – die spätere Stadtpark- bzw. heutige Dr.-Moritz-Mitzenheim-Straße.
Der geplante Neubau erfolgte schließlich von 1889-92 auf der obersten Parkterasse nach den Plänen der Frankfurter Architekten Ludwig Neher und Aage von Kauffmann bzw. unter der Leitung des Eisenachers Hermann Hahn. In nur 26 Monaten Bauzeit entstand eine schlossartige Villa, die in der Stadt bis heute ihresgleichen sucht und als Symbol für die Macht und den Einfluss der Fabrikantenfamilie über der nahezu turmlosen Stadt nicht überall positiv aufgenommen wurde.
Das ca. 60 Meter lange und 17 Meter breite Gebäude bot auf unregelmäßigem Grundriss eine Nutzfläche von ca. 1500 Quadratmetern, knapp 60 beheizbare Zimmer, davon 22 reich und repräsentativ gestaltet. Das Haus verfügte über eine eigene Dampfheizung, elektrisches Licht und einen Telefonanschluss. Zudem war es eingeteilt in einen großen, reich verzierten Wohn- und einen angeschlossenen, kleineren Wirtschaftstrakt für die Bediensteten. Die reiche Fassadengestaltung mit ihren zahlreichen Türmen, Säulen, Ornamenten, Giebeln und hohen Dächern erfolgte aus Pfälzer Sandstein, Thüringer Kalkstein, Basalt, Meininger Schiefer, mittelalterlich anmutendem Fachwerk und kunstvollen Schmiedearbeiten.
Die neue Familienresidenz diente zeitgleich als Herzstück des Parks, für den ab 1893 der Dresdener Max Bertram (1849-1914) zuständiger Gartenarchitekt war. Unter seiner Feder wurde der Park erneut erweiterte und stellenweise umgestaltete, wobei der Petzoldsche Kern jedoch weitgehend erhalten blieb. Seine größte Ausdehnung erreichte der Park im Jahr 1903. Den Abschluss der Ausgestaltung bildete ein nicht mehr vorhandener Pavillon mit Aussicht zum Burschenschaftsdenkmal sowie das 1903 aufgestellte Bismarckdenkmal an der Wartburgallee. Schon ab 1909 wurde die Anlage wieder verkleinert, nachdem man Grundstücke zur Bebauung der Johann-Sebastian-Bach-Straße abtrennte.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor auch der Adel deutschlandweit einen großen Teil seines Eigentums. In der Folge musste Friedrich Georg von Eichel-Streiber, der das Gelände in der Zwischenzeit geerbt hatte, die Villa Pflugensberg verkaufen, um die enormen Unterhaltskosten für Gebäude und Park einzusparen. So kam das gesamte Areal 1921 in den Besitz der Stadt Eisenach, die zunächst plante, die Villa Pflugensberg als Kurhaus zu nutzen und den Park über Burschenschaftsdenkmal hinaus bis zum Johannistal zu erweitern, woraus freilich nichts wurde. Stattdessen wurde das Gebäude ab 1922 an die Thüringer Landeskirche vermietet und von dieser als neues Landeskirchenamt und Bischofssitz genutzt.
1927 kaufte die Landeskirche schließlich die Gebäude und einen kleinen Teil des Parks unter der ausdrücklichen Bedingung, die Gebäude und den Park in ihrem Bestand zu erhalten. Jedwede Änderungen oder Umbauten erfolgten unter Erhalt der historischen Bausubstanz und verbliebenen Ausstattung.
Vor allem die Stadt konnte ihren Teil dieser Abmachung allerdings kaum einhalten, da vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg große Wohnungsnot und Materialmangel herrschten. Auf dem Pflugensberg kam es in der Folge zur Anlage von Kleingärten, dem Umbau von Nebengebäuden zu Wohnzwecken, Abrissen und Verfall von Stallgebäuden und Gewächshäusern und des Pavillons. Das Bismarckdenkmal war schon im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden und sein ehemaliger Standort 1963 zu einer großzügigen Terrasse am Fuße des Stadtparks umgestaltet worden. Die Villa wurde weiterhin von der Landeskirche genutzt und gepflegt, doch kam es auch hier zu Eingriffen, die teilweise zu Schäden an der historischen Raumgestaltung führten.
Nach 1990 kam es zu umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der Villa, deren Dächer neu gedeckt wurden. Auch die Hauselektrik musste behutsame erneuert werden. Noch bis in die frühen 2000er Jahre wurden außerdem Eingriffe aus DDR-Zeiten rückgängig gemacht und ursprünglicher Gestaltungen der Räumlichkeiten teilweise wiederhergestellt.
Auch die Stadt ließ nach 1990 ein Gestaltungskonzept für ihren Teil des Parks erarbeiten, nach dem Teile der Gartengestaltung von etwa 1900 wiederherstellt werden sollten, indem man z.B. Wildwuchs entfernte, Freiflächen schuf und Sichtachsen freischnitt. Seither erfuhr der Park aber aufgrund der stets klammen Stadtkassen kaum noch Pflege und es setzte wieder ein anhaltender Verfall der Anlage ein. Da aber an der Anlage trotz alledem baulich kaum Veränderungen stattfanden, ist der Park im Kern noch heute erhalten und stellt ein bedeutendes Denkmal der Landschaftsarchitektur der Zeit um 1900 dar.
Im Jahr 2011 fusionierten die Landeskirchen Thüringens und Sachsen-Anhalts zu einer neuen mitteldeutschen Landeskirche. Das Landeskirchenamt zog daraufhin nach Erfurt und Bischofssitz wurde Magdeburg. Die Villa Pflugensberg fiel in der Folge in einen Dornröschenschlaf. Zwischenzeitig diskutierte Nutzungen als Hotel oder private Universität waren mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar, da dafür zu große Eingriffe in die weitgehend erhaltene Ausstattung notwendig gewesen wären. 2017 ging das Landhaus für fast zwei Millionen Euro in Besitz der gemeinnützigen Denkmal-Stiftung Brenner über, deren Sitz und einziges Projekt es bislang darstellt. Das Haus steht weiterhin weitgehend leer, ist in der Regel nicht öffentlich zugänglich, wird aber bewacht und bleibt hoffentlich – wie auch sein umgebender Park – für kommende Generationen erhalten.
Die neue Familienresidenz diente zeitgleich als Herzstück des Parks, für den ab 1893 der Dresdener Max Bertram (1849-1914) zuständiger Gartenarchitekt war. Unter seiner Feder wurde der Park erneut erweiterte und stellenweise umgestaltete, wobei der Petzoldsche Kern jedoch weitgehend erhalten blieb. Seine größte Ausdehnung erreichte der Park im Jahr 1903. Den Abschluss der Ausgestaltung bildete ein nicht mehr vorhandener Pavillon mit Aussicht zum Burschenschaftsdenkmal sowie das 1903 aufgestellte Bismarckdenkmal an der Wartburgallee. Schon ab 1909 wurde die Anlage wieder verkleinert, nachdem man Grundstücke zur Bebauung der Johann-Sebastian-Bach-Straße abtrennte.
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs verlor auch der Adel deutschlandweit einen großen Teil seines Eigentums. In der Folge musste Friedrich Georg von Eichel-Streiber, der das Gelände in der Zwischenzeit geerbt hatte, die Villa Pflugensberg verkaufen, um die enormen Unterhaltskosten für Gebäude und Park einzusparen. So kam das gesamte Areal 1921 in den Besitz der Stadt Eisenach, die zunächst plante, die Villa Pflugensberg als Kurhaus zu nutzen und den Park über Burschenschaftsdenkmal hinaus bis zum Johannistal zu erweitern, woraus freilich nichts wurde. Stattdessen wurde das Gebäude ab 1922 an die Thüringer Landeskirche vermietet und von dieser als neues Landeskirchenamt und Bischofssitz genutzt.
1927 kaufte die Landeskirche schließlich die Gebäude und einen kleinen Teil des Parks unter der ausdrücklichen Bedingung, die Gebäude und den Park in ihrem Bestand zu erhalten. Jedwede Änderungen oder Umbauten erfolgten unter Erhalt der historischen Bausubstanz und verbliebenen Ausstattung.
Vor allem die Stadt konnte ihren Teil dieser Abmachung allerdings kaum einhalten, da vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg große Wohnungsnot und Materialmangel herrschten. Auf dem Pflugensberg kam es in der Folge zur Anlage von Kleingärten, dem Umbau von Nebengebäuden zu Wohnzwecken, Abrissen und Verfall von Stallgebäuden und Gewächshäusern und des Pavillons. Das Bismarckdenkmal war schon im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden und sein ehemaliger Standort 1963 zu einer großzügigen Terrasse am Fuße des Stadtparks umgestaltet worden. Die Villa wurde weiterhin von der Landeskirche genutzt und gepflegt, doch kam es auch hier zu Eingriffen, die teilweise zu Schäden an der historischen Raumgestaltung führten.
Nach 1990 kam es zu umfangreichen Restaurierungsarbeiten an der Villa, deren Dächer neu gedeckt wurden. Auch die Hauselektrik musste behutsame erneuert werden. Noch bis in die frühen 2000er Jahre wurden außerdem Eingriffe aus DDR-Zeiten rückgängig gemacht und ursprünglicher Gestaltungen der Räumlichkeiten teilweise wiederhergestellt.
Auch die Stadt ließ nach 1990 ein Gestaltungskonzept für ihren Teil des Parks erarbeiten, nach dem Teile der Gartengestaltung von etwa 1900 wiederherstellt werden sollten, indem man z.B. Wildwuchs entfernte, Freiflächen schuf und Sichtachsen freischnitt. Seither erfuhr der Park aber aufgrund der stets klammen Stadtkassen kaum noch Pflege und es setzte wieder ein anhaltender Verfall der Anlage ein. Da aber an der Anlage trotz alledem baulich kaum Veränderungen stattfanden, ist der Park im Kern noch heute erhalten und stellt ein bedeutendes Denkmal der Landschaftsarchitektur der Zeit um 1900 dar.
Im Jahr 2011 fusionierten die Landeskirchen Thüringens und Sachsen-Anhalts zu einer neuen mitteldeutschen Landeskirche. Das Landeskirchenamt zog daraufhin nach Erfurt und Bischofssitz wurde Magdeburg. Die Villa Pflugensberg fiel in der Folge in einen Dornröschenschlaf. Zwischenzeitig diskutierte Nutzungen als Hotel oder private Universität waren mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar, da dafür zu große Eingriffe in die weitgehend erhaltene Ausstattung notwendig gewesen wären. 2017 ging das Landhaus für fast zwei Millionen Euro in Besitz der gemeinnützigen Denkmal-Stiftung Brenner über, deren Sitz und einziges Projekt es bislang darstellt. Das Haus steht weiterhin weitgehend leer, ist in der Regel nicht öffentlich zugänglich, wird aber bewacht und bleibt hoffentlich – wie auch sein umgebender Park – für kommende Generationen erhalten.
Bilder:
Früher:
Sammlung Bernd Bierschenk
Fotografie
um 1933
Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
24. Januar 2025