BEARBEITEN Schloss Wilhelmsthal

Eine Sommerresidenz im Dornröschenschlaf…

Der heutige Ausflug führt uns einige Kilometer aus der Stadt heraus und dennoch ist dieser Ort eng mit Eisenach verbunden.
Dieser Ort trug ursprünglich den Namen Wintershausen und war bei den Fürsten der Region schon seit dem 16. Jahrhundert ein beliebtes Jagdrevier. Im Jahre 1699 wurde Wintershausen in Wilhelmsthal umbenannt, da Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach diesen Ort wählte, um sich ein Jagd- und Sommerschloss mit einem großen barocken Park zu bauen. Aus dieser Zeit stammt das Hauptgebäude (Corps de Logis) in der Bildmitte. 1719 wurde außerdem der heutige Telemannsaal als freistehender Konzertsaal errichtet, der als letzte erhaltene Uraufführungsstätte des Komponisten Georg Philipp Telemann gilt.
Nach 1741 wurde die Anlage von Ernst August von Sachsen-Weimar-Eisenach ausgebaut. Er ließ auch venezianische Gondeln anfertigen und auf dem See fahren, starb aber bereits 1748. Danach verfiel das Schloss vorerst wieder.
Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts wurde unter Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach wieder am Schloss gebaut und Hof gehalten. Um 1800 wurde auch der Park zu einem englischen Landschaftspark umgestaltet, der er heut wieder ist. Carl August verbrachte viel Zeit in Wilhelmsthal und mit ihm auch große Persönlichkeiten wie Goethe, der hier z.B. an seinen „Römischen Elegien“ oder der „Wahlverwandtschaft“ schrieb.
Auch noch unter Herzog Carl-Alexander trafen sich hier Mitglieder aus etlichen europäischen Fürstenhäusern, denn er liebte Wilhelmsthal und regierte sein Herzogtum fast jeden Sommer von hier aus.
Das alte Bild entstand um 1910, das aktuelle am Ostersonntag 2025. Dazwischen liegen über 100 Jahre wechselhafter Nutzung und Unterhaltung. Besondere Spuren hinterlassen haben die Nutzung als Kinderheim nach dem zweiten Weltkrieg und der Leerstand und Verfall seit 1993.
Seit einigen Jahren geht es aber wieder vorwärts. Der Park wurde weitgehend wiederhergestellt, die wichtigsten Gebäude gesichert und schon bald soll die grundhafte Sanierung des Telemannsaals losgehen – des wohl ältesten freistehenden Konzertsaal Europas.

Bilder:

Früher:
Sammlung
Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
1924

 

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
20. April 2025