Predigerkirche

Wo einst gebetet wurde, wird heute gepaukt…

Am Predigerplatz unweit des Eisenacher Marktes befindet sich ein früheres Gotteshaus: die sog. Predigerkirche.

Ihre Existenz verdankt die Predigerkirche der Heiligen Elisabeth von Thüringen. Zwischen 1211 und 1227/28 lebte diese (meist) auf der Wartburg und starb 1231 mit nur 24 Jahren in Marburg. Vor allem wegen ihres außerordentlich karitativen Wirkens (u.a. gründete sie mehrere Hospitäler in und um Eisenach und Marburg und kümmerte sich teils persönlich um die Versorgung der Armen und Kranken) wurde sie schon bald nach ihrem viel zu frühen Tod 1235 heiliggesprochen. Damit wurde Eisenach zu einer Stadt, in der noch kurz zuvor eine Heilige Jahre gelebt und gewirkt hatte. Landgraf Heinrich Raspe IV. (einst der Schwager Elisabeths) sah darin sicher eine Chance, das Prestige seines Hauses zu steigern und womöglich auch einen Wallfahrtsort zu schaffen.
So erlaubt er Dominikanermönchen (auch Prediger genannt) die Ansiedlung in Eisenach und stiftete um 1240 die Kirche, die er St. Elisabeth und St. Johannis weihen ließ. Im Grunde müsste sie also Kirche St. Elisabeth und Johannis heißen, wird aber nach den einst im dortigen Kloster lebenden Mönchen nur Predigerkirche genannt.
Der erste Vorsteher des Klosters wurde Elgar von Honstein, nachdem auch eine Straße in Eisenach benannt ist.

Die Predigerkirche gehört sowohl zu den weltweit ersten Kirchen, die der Heiligen Elisabeth von Thüringen geweiht wurden, als auch zu den ersten rein gotischen Kirchen Thüringens. Da die Dominikaner stets ein Bettelorden waren, wurden die Kirche und die dazugehörigen Klostergebäude in eher schlichten Formen errichtet. Die Kirche besitzt fast keine Bauzier und wurde ohne Turm erbaut. Einst bildete sie eine große Halle mit einem hohen Chor im Osten. Dieser lag gegenüber dem restlichen Hauptschiff etwas erhöht, da sich unter ihm noch die sog. Krypta befand – heute Mittelpunkt des Museums in der Predigerkirche.
Einst besaß die Kirche außerdem noch ein kleines Seitenschiff an ihrer Nordseite, das durch eine niedrige Spitzbogenarkade erschlossen wurde. Diese Bögen sind seit der Entfernung des Seitenschiffes vemauert, aber in der heutigen Nordfassade noch vollständig erhalten und sichtbar. Nachdem das Kloster 1523 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde, verlor auch die Kirche ihre Funktion und wurde in den folgenden Jahrhunderten als Lagerhaus genutzt. Dazu zog man Zwischendecken ein und baute kleine rechteckige Fenster ein, wo sich zuvor noch hohe Spitzbogenfenster befanden, die ebenfalls heutzutage stellenweise noch gut sichtbar sind.
An der Nordseite der Kirche entstanden im Laufe der Zeit außerdem ärmliche Wohngebäude, die schon 1919 in einem maroden Zustand waren und letztlich aber erst 1957 abgerissen wurden. Die Kirche selbst diente zu dieser Zeit bereits als Museum. Seit 1904 nutzte sie das 1899 gegründete Thüringer Museum als Ausstellungs- und Lagergebäude – bis heute. Zu sehen sind dort u.a. zahlreiche hochwertige hölzerne Skulpturen und Schnitzplastiken aus dem Mittelalter.

Die ehemaligen Klostergebäude an der Südseite der Predigerkirche wurden ab 1544 als neues Domizil der Eisenacher Lateinschule genutzt – auf Vorschlag Martin Luthers höchstpersönlich. Dieser besuchte nämlich von 1498-1501 jene Lateinschule in Eisenach, die sich zu dieser Zeit noch auf der Esplanade befand. Nachdem sie in das ehemalige Dominikanerkloster umzog, blieb sie dort über Jahrhunderte bestehen und wurde später in Carl-Friedrich-Gymnasium umbenannt. 1889 wurde außerdem in einem Teil des ehemaligen Klosters die Carl-Alexander-Bibliothek eröffnet, die wertvolle Sammlungen u.a. aus den Beständen der Wartburg oder der städtischen Archive und Bibliotheken vereinte und 1967 aufgelöst wurde. Danach wurden die Klostergebäude bis zur Wende als Lehrerseminar verwendet.
Heute führt an Ort und Stelle das 1994 gegründete evangelische Martin-Luther-Gymnasium die Tradition der alten Lateinschule bzw. des Carl-Friedrich-Gymnasiums fort. Dafür entstand auch an Stelle des im 18. Jahrhundert abgerissenen Westflügels ein moderner Neubau, der dem Komplex auch seinen Charakter als geschlossene Vierflügelanlage wiedergab.

Bilder:

Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
ungelaufen, ca. 1980

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
18. Juni 2023