Von einer Vereinigung, die auf sich warten ließ…

Dieser Vergleich zeigt die einstige Feldseite des Nikolaitors zur heutigen Bahnhofstraße hin. Über Jahrhunderte hinweg wurde diese Gegend allein von den Türmen des Tores und der Nikolaikirche deutlich überragt. Mit der Entstehung hoher Neubauten wie der Bahnhofstraße 1 oder des Hotels Kaiserhof Ende des 19. Jahrhunderts verloren sie zwar an Dominanz, wurden aber gleichzeitig von zwei aufwändig gestalteten Gebäuden eingerahmt.
Dieses Gebäudeensemble empfängt Gäste wie Einheimische noch heute und leitet sie durch die Torbögen zum Karlsplatz. Der vierte Bogen für Fußgänger, der auf den Bildern links zu sehen ist, kam allerdings erst 1910-12 dazu.
Zwar hatte man zur Entlastung des mittelalterlichen Tores schon knapp 25 Jahre zuvor zwei weitere Torbögen geschaffen, doch gestaltete sich die Durchquerung des Tores für die Passanten auf der anderen Straßenseite immer noch gefährlich – daher erfolgte der Bau des vierten Bogens. Dieser führte ursprünglich noch um die Ecke, weil sich zwischen Nikolaitor und dem Kaiserhof seinerzeit noch ältere Gebäude befanden (im Bild zu sehen).
Diese Gebäude sollten nach den Vorstellungen des Kaiserhof-Inhabers Gustav Franke über kurz oder lang ohnehin einer Erweiterung des Hotels weichen, weswegen er seinerzeit auch den Bau des Fußgängertunnels samt der Turmschänke selbst übernahm. Diese schmiegt sich in ihrer altertümlichen Erscheinung noch immer malerisch an den Torturm an.
Die Lücke zwischen seinem Hotel und der Turmschänke gedachte Franke mit einem Anbau zu schließen, der in seiner Gestaltung dem Stil der Turmschänke entsprechen sollte. Wiederholt stellte er zwischen 1921 und 1926 entsprechende Bauanträge, die von der Stadt allerdings allesamt abgelehnt wurden. Grund dafür waren damals Zweifel an der Art und Höhe sowie der Nutzung des Neubaus. – Letztlich musste Franke auf seine Hotelerweiterung verzichten und die Lücke klaffte für weitere Jahrzehnte. Erst nach der Wende gelang es den neuen Eigentümern, das Hotel durch einen Neubau mit der Turmschänke zu verbinden. Dieser Anbau wurde 1993 fertiggestellt und ist mit seiner weißen Farbgebung und den schlichten Formen gestalterisch weit von den Entwürfen der 1920er Jahre entfernt.
Bilder:
Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
gelaufen 1923
Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
24. Mai 2023