Nikolaitor und Hotel „Reichskanzler“

Wo der Reichskanzler den Karlsplatz überblickte…

Dieser Vergleich zeigt die Stadtseite des mittelalterlichen Nikolaitores nebst dem ehemaligen Hotel Reichskanzler.
 
Das romanische Nikolaitor stammt aus dem späten 12. Jahrhundert und zählt heute zu Thüringens ältesten erhaltenen Stadttoren. Seinerzeit war es eines von insgesamt fünf Stadttoren bzw. gemeinsam mit dem Georgentor im Westen und dem Frauentor im Süden der Stadt eines der drei Haupttore in Eisenachs Stadtbefestigung.
 
Nachdem jedoch die Stadtmauer im 18. Jahrhundert ihre Schutzfunktion endgültig verloren hatte, wurden die Stadttore nach und nach niedergelegt bzw. durch Schlagbäume ersetzt: 1786 das Nadeltor nahe des Jakobsplans, 1817 das Georgentor an der heutigen Stadtbibliothek, 1818 das Frauentor in der Marienstraße und 1829 das Predigertor am Schloßberg. Noch bis zum 1. Oktober 1832 wurden die Schranken und das Nikolaitor allabendlich geschlossen.
Schließlich sollte in den 1880er Jahren auch der Abriss des zum Verkehrshindernis gewordenen Nikolaitors stattfinden, der nach Protesten aus der Stadtbevölkerung aber abgewendet werden konnte. Stattdessen wurden der 27,50 Meter hohe Turm 1886 restauriert und zwei weitere Torbögen zur Nikolaikirche hin geschaffen. Der Fußgängerdurchgang unter dem heutigen Restaurant Turmschänke (mittig im Bild) entstand erst in den Jahren 1910-12.
 
Das schieferverkleidete, giebelständige Haus des Hotels Reichskanzler hat zu dieser Zeit bereits einige Jahrzehnte gestanden. Das Hotel wurde bereits im Februar 1873 eröffnet und bestand an dieser Stelle bis 1934. Dort, wo sich im seinem Giebel heutzutage ein grünes Medaillon mit der Jahreszahl 1996 (dem Jahr der letzten Restaurierung) befindet, saß einst ein Medaillon mit einem Reliefportrait von Reichskanzler Otto von Bismarck, welches auf dem alten Foto schwach zu erkennen ist. Die Ansicht entstand zwischen 1928 und 1934, das Relief dürfte spätestens in der DDR-Zeit „verschwunden“ sein, während der im Gebäude das Restaurant Burghof betrieben wurde.

Bilder:

Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
zwischen 1928 und 1934

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
16. Mai 2023