Restauration „Lindenhof“

Gasthaus, Schule, Zirkus, Supermarkt …

Wo sich heute direkt neben der Hörselbrücke, im Eck zwischen Landgrafen- und Gothaer Straße der Parkplatz eines Supermarktes befindet, stand noch bis 2008 das Gebäude des früheren Lindenhofs.
Erbaut wurde er 1875 durch Oswald Bierschenk, der darin im selben Jahr die Restauration Lindenhof eröffnete. Der Name leitete sich womöglich von den Lindenbäumen ab, die einst die Gothaer Straße säumten.
Schon im Juni 1876 überließ er das Lokal August Borst, betrieb auf dem Areal aber weiterhin eine Mehlhandlung.
Auch Borst betrieb den Lindenhof nur zwei Jahre; 1878 übernahm ihn Karl Vogt und auch in den nächsten Jahrzehnten kam es oft zu Betreiberwechseln. Als im Jahre 1905 Oskar Felsberg das Haus übernimmt, benennt er es in Schützenhof um – sicher in Anlehnung an die nahegelegene Schützenstraße und das dortige Schützenhaus.
Nicht allzu lang danach dürfte die historische Ansicht entstanden sein, denn an der Westfassade steht unter dem Schriftzug Restauration Schützenhof immerhin noch „vormals Lindenhof“ geschrieben. Das Haus verfügte u.a. über eine eigene Kegelbahn.
Zu DDR-Zeiten wurde er zu einem SED-Heim umfunktioniert und erhielt seinen alten Namen Lindenhof zurück. Die Gaststätte wurde von der HO weiterbetrieben und bestand noch bis in die Wendezeit hinein. Einigen Eisenachern dürfte das Gebäude auch wegen der Zirkusse bekannt sein, die auf der angrenzenden Wiese stattfanden und wiederum einige Eisenacher sind quasi im Lindenhof zur Schule gegangen. Denn ab 1970 wurden die Hintergebäude als Teil der 3. POS verwendet; die Schülerspeisung befand sich im Anbau rechts am Haupthaus.
Im Laufe der Jahre hatte sich der Zustand des Gebäudes fortlaufend verschlechtert, was zum einen an der einfachen Bauweise und zum anderen an mangelnder Unterhaltung lag. So gingen z.B. die hölzernen Ornamente in den Giebeln genauso verloren wie die Verschieferung der West- und Nordfassade oder der Balkon, der zuletzt nur noch als Vordach fungierte. Durch den vorher schon schlechten Zustand und weiteren Vandalismus wirkte der Lindenhof keine zehn Jahre nach seiner Schließung bereits wie eine seit dutzenden Jahren leerstehende Ruine.
Wachsende Einsturzgefahr und die Interessensbekundungen einer Supermarktkette am Grundstück führten letztlich 2008 zum Abriss des gesamten Areals. Im folgenden Jahr wurde der heute dort stehende Supermarkt eröffnet.

Bilder:

Früher:
Sammlung Mike Lambrecht
Fotoplatte
ca. 1910

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
22. Juni 2020