Wo der Heldentod auf mythische Weise verklärt wurde…

Nachdem in den 1880er Jahren der Entschluss gefasst wurde, in der Nähe der Wartburg ein Denkmal zu Ehren der 1866-71 gefallenen Burschenschafter zu errichten, entwickelte man dazu verschiedene Ideen. Diese reichten von einem großen Obelisken auf dem Metilstein bis zu einer Ehrenhalle auf dem Wartenberg und mündeten schließlich in den Bau des heutigen Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe, das im Mai 1902 eröffnet wurde.
Eine bauliche Ergänzung erfuhr das Ensemble auf der Bergkuppe nachdem der Burschentag im Jahr 1930 beschloss, auch ein Denkmal für die knapp 3000 im Ersten Weltkrieg gefallenen deutschen und österreichischen Burschenschafter errichten zu lassen. Der Bau erfolgte ab 1932 direkt frontal zu Füßen des Denkmalturms von 1902 und wurde am 4. Juni 1933 feierlich eingeweiht.
Schon von Beginn an hatte sich für die neue Gedänkstätte die Bezeichnung Langemarck-Ehrenmal eingebürgert. Diese Bezeichnung geht auf einen Mythos zurück, den die Oberste Heeresleitung im November 1914 in Deutschland verbreiten ließ:
Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und sechs Maschinengewehre erbeutet.
Mit dieser heroisierenden Falschmeldung wurde darüber hinweggetäuscht, dass bei dieser Schlacht am 10. November 1914 überhaupt keine nennenswerten Landgewinne verzeichnet werden konnten. Stattdessen wurden dabei zahlreiche junge Soldaten, viele von ihnen Burschenschafter, die sich freiwillig gemeldet hatten, ins englisch-französische Maschinengewehrfeuer und damit in den sicheren Tod geschickt.
Zwar erkannte man in Langemarck schnell die Sinnlosigkeit des Krieges, doch wurde eben diese Schlacht und ihre zahlreichen Opfer ab den 1920er Jahren zunehmend zum zentralen Motiv einer Heldentodverehrung und -verklärung. In zahlreichen Orten im Deutschen Reich entstanden Langemarck-Gedenkstätten – und so auch in Eisenach.
Das Denkmal wurde in Form eines steinernen Ehrenhofs mit massivem, zentralen Gedenkstein gestaltet. Aus diesem war ein Relief eines zentral emporsteigenden Jünglings mit gestrecktem Schwert herausgearbeitet. Umgeben war dieser Jüngling von zahlreichen weiteren Schwertern, die von Armen aus der Erde heraus emporgestreckt wurden – ähnlich wie aufsteigende Rachegeister.
Auf derartige Weise interpretierte man dieses Denkmal auch, als im Zuge der Entmilitarisierung des besiegten Deutschen Reiches auch die „Beseitigung aller den Militarismus verherrlichenden Denkmäler“ erfolgen sollte. 1946 schlug man daher das Relief mit den aufsteigenden Schwertern ab. Die Gedenkstätte an sich kam erst nach der deutschen Wiedervereinigung in den 1990er Jahren wieder in die Kur und wird auch derzeit wieder schrittweise saniert. Das Relief wurde bis heute nicht wiederhergestellt – doch, wenn beim sommerlichen Sonnenuntergang das Sonnenlicht von Westen den Gedenkstein sehr flach streift, treten die Schatten der aufsteigenden Arme und Schwerter wieder deutlich hervor.
Bilder:
Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
gelaufen 1933
Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
24. Januar 2025