Gasthof „Zum grünen Baum“

Ein grüner Baum ohne Laub…

Der Grüne Baum ist den meisten Eisenachern ein Begriff. Im Gegensatz zu Ortsfremden denken die Einheimischen bei dieser Bezeichnung nicht an einen tatsächlichen grünen Baum, sondern an die Straßenkreuzung Rennbahn/Mühlhäuser Straße oder wahlweise den gesamten Abschnitt der Mühlhäuser Straße bis zur Hörselbrücke.
Nun könnte man meinen, dieser Name rührt von den Bäumen, die auf dem Grünstreifen zwischen beiden Fahrbahnen ihr Dasein fristen. Eigentlicher Namensgeber war aber der Gasthof Zum grünen Baum, der sich einst auf einer Ecke der Kreuzung befand.

Das Gebäude wurde schon 1869 erbaut, das Gasthaus darin aber erst am 1. Januar 1887 von Andreas Fleischmann eröffnet. Seinerzeit war diese Ecke der Stadt noch relativ dünn bebaut. Die gründerzeitlichen Vorstädte jenseits der Eisenbahnlinie waren zu dieser Zeit gerade in ihrer Entstehung und viele Flächen noch landwirtschaftlich genutzt. Auch in den Nebengebäuden des Gasthauses befand beispielsweise noch in den 1920er Jahren eine Stellmacherei, die Fuhrwagen herstellte.
Bis 1900 führte der Sohn Gustav Fleischmann das Lokal, ehe es 1901 in den Besitz der Familie Heusing kam, die einigen älteren Eisenachern sicher noch ein Begriff sein könnte.
Zunächst bewirtete Reinhold Heusing bis 1939 den Grünen Baum. Ihm folgte sein Sohn Otto Heusing, der 1988 starb, woraufhin dessen Ehefrau die Wirtschaft übernahm.

Bekannt war der Grüne Baum zum einen für gutes Essen, aber auch seine spartanischen Sanitäranlagen im Nebengebäude. Im Obergeschoss befanden sich einige Gästezimmer und im Laden, der sich rechts im Gebäude befand, zeitweise eine Fleischerei.
Man erreichte das Gasthaus unter anderem mit der Straßenbahn, die seit 1909 über den Grünstreifen der Mühlhäuser Straße Richtung Friedhof bzw. Krankenhaus fuhr. Als 1969 die Hörselbrücke ohne Gleise neuerbaut wurde, endete die Bahn sogar hier.

Mit der Wende kam auch das Ende des Grünen Baums, der sich zu diesem Zeitpunkt bereits in einem vernachlässigten Zustand befand. Das Vergleichsbild zeigt das Gebäude im Jahr 1997. Im Folgejahr kam der Abriss zugunsten eines Neubaus mit einer Autowerkstatt im Erdgeschoss.

Bilder:

Früher:
Thomas Picard
Fotografie
1997

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
14. August 2020