Gasthof „Zum Goldenen Löwen“

Ein früheres Gasthaus mit großer Geschichte …

Am südlichen Ende der Marienstraße – einst die Ausfallsfallstraße, über die man durch das Frauentor die Stadt verließ oder betrat – befindet sich der sog. Goldene Löwe. Dabei handelt es sich um ein ehemaliges Gasthaus, das über Jahrhunderte vor den Toren der Stadt lag und überhaupt zu den ältesten Gasthöfen Eisenachs gehörte.

Ein Gasthaus wurde an dieser Stelle erstmals im Jahre 1256, aber erst 1533 unter dem Namen Gasthof zum Löwen erwähnt. Dabei handelte es sich möglicherweise sogar um ein und dieselbe Gastwirtschaft, denn das heutige Gebäude wurde zwar ab 1731 neuerbaut (dabei erhielt es auch den Namen Goldener Löwe), doch konnten bei jüngsten Untersuchungen Teile des Keller der Romanik zugeordnet werden. Beim heutigen, auf das 18. Jahrhunderte zurückgehenden Hauptgebäude handelte es sich zunächst um einen zweigeschossigen Bau mit zentralem Eingang, der auch jetzt noch den Kern der Gebäudes bildet. In den folgenden Jahrzehnten fand neben dem Gastronomiebetrieb mit Theater- und Musikveranstaltungen auch ein großer Teil des kulturellen Lebens der Stadt im Goldenen Löwen statt. Im Jahr 1835 wurde der Gasthof sogar noch ausgebaut und erhielt einen nördlichen Anbau mit Pferdeställen im Erd- sowie einem Tanzsaal im Obergeschoss. Bald darauf gab es scheinbar Probleme mit den Finanzen oder der Wirtsnachfolge: das Haus wurde 1852 versteigert und in der Folge 1854 umgestaltet, wobei beide Gebäudehälften (also Alt- und Anbau) aneinander angeglichen wurden. Einige Jahre später, 1867, wurde das Gasthaus erneut versteigert und diente von 1868-80 sogar der jüdischen Gemeinde Eisenachs für Gottesdienste und Hochzeiten.

Vom 7. bis 9. August 1869 tagte in Eisenach der Allgemeine Deutsche Arbeiterkongress, dem auch August Bebel und Wilhelm Liebknecht angehörten, zur Gründungsversammlung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP), die sich 1875 mit dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein (ADAV) zur Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP) zusammenschloss. Diese benannte sich 1890 schließlich in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) um. Der Gründungskongress wurde zwar im Goldenen Löwen eröffnet, jedoch nach einigen Tumulten in das Hotel „Zum Mohren“ in der Alexanderstraße verlegt.

Seine heutige Erscheinung erhielt der Goldene Löwe im Wesentlichen im Jahre 1870, als wiederum beide Gebäudehälften aufgestockt und die Fassaden mit Gesimsen und Ornamenten versehen worden waren. Außerdem erhielt das Gebäude über dem Haupteingang ein Zwerchhaus und im Norden einen turmartigen Anbau mit Spitzdach und weiterem Eingang. Der Tanzsaal, in dem im Vorjahr noch der Allgemeine Deutsche Arbeiterkongress tagte, wurde dabei zu Hotelzimmern umgebaut.
Im Jahr 1889 zählte der Goldene Löwe zu den vier größten Gasthäusern der Stadt und wurde 1899 bzw. in den 1920er Jahren erneut Umbauten und Erweiterungen unterzogen, bei denen u.a. ein Wirtschaftstrakt (spätere Großküche) entstand.
 

Der Hotelbetrieb im Goldenen Löwen endete 1936. Danach diente er vorrübergehend als Landratsamt und in den 1950er Jahren befand sich dort ein Dienstzimmer des Kreisrates.

Aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung – und auch, weil das Hotel „Zum Mohren“ nicht mehr existierte – wurde der Goldene Löwe von 1965-67 zur Gedenkstätte Eisenacher Parteitag 1869 umgestaltet, in der insbesondere die Geschichte und Erfolge der sog. Arbeiterklasse beleuchtet werden sollten. Als Teil dieser Gedenkstätte entstand 1983 auf der Fläche des ehemaligen Hotelgartens das Denkmal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. 1988/89 folgte eine Modernisierung von Gebäude und Ausstellung.

Heute dient der Goldene Löwe der SPD Westthüringen als Regionalbüro und beherbergt nach wie vor eine umfangreiche Ausstellung über die Entwicklung der Arbeiterbewegungen und der deutschen Sozialdemokratie.
Das heutige Gebäude des Goldenen Löwen erhielt im Jahr 2016 eine umfassende Fassadensanierung. Auch der über die letzten Jahrzehnte stark verkommene nördliche Anbau wurde in den Jahren 2021-2023 umfangreich restauriert und dient nun als Wohnhaus. Der seit der Wende verfallene östliche Anbau mit ehemaliger Großküche wurde 2024 abgerissen und an seiner Stelle derzeit (April 2025) einen viergeschossiger Hotelneubau errichtet. Auch der in die Jahre gekommene Platz rund um das Denkmal zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung soll in Kürze eine Sanierung und Umgestaltung erfahren.

Bilder:

Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
um 1970

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
14. Juni 2024