Als der Krieg nach Eisenach kam…

Der Zweite Weltkrieg brachte von 1939 bis 1945 Tod und Zerstörung über Europa und die Welt. Der Krieg, der im September 1939 von Hitlerdeutschland ausging, kehrte schon ab Mai 1940 in Form von alliierten Luftangriffen ins Deutsche Reich zurück. Auch die Stadt Eisenach, die die längste Zeit davon verschont geblieben war, ereilten ab Ende Februar 1944 insgesamt sieben Luftangriffe. Die fünfte dieser Attacken brach in der Nacht vom 23. zum 24. November 1944 über die Stadt herein.
Dieser nächtliche Luftangriff der britischen Royal Air Force diente nicht primär der Zerstörung kriegswichtiger Industrie, sondern vor allem als Terrorangriff zur Einschüchterung der Zivilbevölkerung. Als Ziel wurde daher vor allem die Innenstadt gewählt, über der neun Flugzeuge ihre explosive Fracht abwarfen. Dabei wurde in erster Linie Wohnbebauung im Areal südöstlich des Marktes in Mitleidenschaft gezogen. Besonders die westliche Schmelzerstraße und der Lutherplatz erlitten starke Zerstörungen. Dort wurde quasi die gesamte umgebende Bebauung des Platzes in Schutt und Asche gelegt. Das Lutherhaus verlor dabei seine Nordfassade, die aber in den ersten Nachkriegsjahren rekonstruiert wurde.
Doch auch am Frauenplan kam es zu Zerstörungen. Die Bomben vernichteten die Bebauung an der Einmündung der Lutherstraße und sorgten dabei auch für starke Schäden am gegenüberliegenden Bachhaus und seinen Nachbargebäuden. Die zerstörte Wohnbebauung wurde erst Ende der 1950er Jahre durch die heutigen Mietshäuser an dieser Stelle ersetzt. Das Bachhaus war schon unmittelbar nach Einmarsch der Amerikaner im April 1945 auf deren Befehl hin instandgesetzt worden.
Die beschädigte Wand am linken Bildrand gehörte zur ebenfalls zerstörten früheren Großherzoglichen Zeichenschule, die 1784 von Herzog Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach und Johann Wolfgang von Goethe gegründet wurde und seit 1872 am Frauenplan ansässig war.
Als Folge dieses Luftangriffs, der offiziell 10 Todesopfer und einige der bekanntesten Bauwerke Eisenach forderte, legte man sicherheitshalber Feuerlöschteiche an mehreren Orten in der Stadt an, darunter auf dem Markt, dem Frauenplan, dem Karlsplatz oder vor dem Hauptbahnhof. Weitere Zerstörungen der Stadt im Frühjahr 1945 konnte man damit jedoch kaum verhindern.
Bilder:
Früher:
Sammlung Bernd Bierschenk
Fotografie
1944
Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
25. Dezember 2021