Ein prächtiges Renaissancehaus im Herzen Stadt…

Im Eisenacher Stadtzentrum befindet sich der historische Marktplatz, der über die Jahrhunderte nicht nur seine ursprüngliche Form behalten hat, sondern um den herum sich auch einige der prägendsten Gebäude der Stadt gruppieren. Neben dem Rathaus, der Georgenkirche oder dem Stadtschloss befindet sich dort das nicht ganz so bekannte, aber dennoch auffällige und bedeutsame Creutznacher Haus.
Erbaut wurde dieses schöne Fachwerkgebäude mit steinernem Sockelgeschoss zwischen 1507 und 1539 als Wohn- und Geschäftshaus des Kaufmannes Conrad „Curt“ Creutznacher, der später auch Mitglied im Rat der Stadt war. 1559 wurde es außerdem durch Baumeister Hans Leonhardt, der auch den Marktbrunnen sowie den Schmuck an Luther- und Rathaus schuf, umgestaltet. Aus der ansonsten eher schlichten Bebauung der Stadt muss dieses prächtige Renaissancegebäude einst sehr herausgestochen haben.
Ab 1596 wurde Eisenach Residenzstadt des neuentstandenen Herzogtums Sachsen-Eisenach und entsprechend zügig musste ein repräsentatives Residenzsschloss für Herzog Johann Ernst geschaffen werden. Dafür wurde das Creutznacher Haus angekauft und baulich mit dem dahinterliegenden Zollhofgebäude (heute Residenzhaus genannt) verbunden, das Kurfürst Friedrich der Weise um 1507 hatte errichten lassen. Außerdem wurde der Westflügel des Creutznacher Hauses mit einem Erker geschmückt, der irgendwann im 18. oder 19. Jahrhundert verschwand. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Schloss nach und nach ausgebaut, erhielt ein Stallgebäude am heutigen Lutherplatz, 1610 einen Neubau für die Schlossbrauerei und bis ins 18. Jahrhundert hinein weitere Anbauten und einen Lustgarten bis an den heutigen Pfarrberg.
1741 starb der letzte Eisenacher Herzog kinderlos und die Herrschaft fiel an den äußerst bau- und jagdfreudigen Herzog Ernst August von Sachsen-Weimar. Dieser plante, seinen Hofstaat nach Eisenach zu verlegen und benötigte hierfür wiederum das Schloss, in dem jedoch noch die Herzogenwitwe Anna Sophie Charlotte lebte, die er nach einem heftigen Streit des Landes verwies. Als sie Eisenach verließ, ließ sie aus dem Schloss „bis auf den letzten Nagel“ alles abtransportieren. Über diese Demütigung erzürnt, gab Ernst August 1742 den Befehl über den sofortigen Abriss des alten und Neubaus eines neuen Residenzsschlosses, das an der Nordseite des Marktes im barocken Stil entstand. Die knappen Kassen des Herzogs sorgten dafür, dass im neuen Schlossbau viele Materialien des alten Schlosses wiederverwendet wurden, teilweise sogar ganze Parketts.
Durch den Abriss des alten Schlosses entstand die heutige Esplanade (bzw. der Avital-Ben-Chorin-Platz). Übrig blieben lediglich das Creutznacher Haus, die Schlossbrauerei, der Marstall und das alte Zollhofgebäude mit seinem markanten Treppenturm, die gemeinsam von nun an Alte Residenz genannt wurden. Das Creutznacher Haus diente fortan als Domizil verschiedener Verwaltungsorgane des (Groß-)Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach und später des Landes Thüringen.
Am 23. November 1944 erfolgte ein schwerer Luftangriff auf Eisenach, der den Lutherplatz in Schutt und Asche legte. Der Marstall wurde weitgehend zerstört und das Creutznacher Haus ebenfalls schwer beschädigt. Entgegen erster Überlegungen, den Stall wiederaufzubauen, wurde er stattdessen abgerissen. Das Creutznacher Haus hingegen wurde relativ notdürftig wiederaufgebaut und diente zu DDR-Zeiten als Verwaltung des VEB Kraftverkehr Eisenach. Ab 2002 wurde das Gebäude aufwändig saniert und der Fachwerkteil unter Verwendung originaler Hölzer vollständig neugebaut. Seither dient das Gebäude wieder als Wohn- und Geschäftshaus, beherbergte zeitweise die Touristinformation und von 2013-15 sogar die Ausstellung des Lutherhauses, das damals gerade restauriert und umgebaut wurde.
Bilder:
Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
ca. 1910
Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
14. Mai 2023