Ein Nationaldenkmal über Eisenach…

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das heutige Staatsgebiet Deutschlands noch in einzelne größere und unzählige Kleinstaaten zersplittert – Eisenach beispielsweise lag im eigenständigen Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Trotz dieser vielen Staaten bezeichneten sich deren Einwohner jedoch schon seit Jahrhundeten als Deutsche. Als sich am Ende der französischen Revolution Napoleon Bonaparte selbst zum Kaiser krönte und im Anschluss viele europäische, auch deutsche, Staaten militärisch unterwarf, war die deutsche Nationalbewegung endgültig losgetreten. Zwar wurde nach der Leipziger Völkerschlacht, bei der man Napoleon gemeinsam vernichtend geschlagen hatte, die Souveränität vieler Kleinstaaten wiederhergestellt (Sachsen-Weimar-Eisenach wurde 1815 sogar zum Großherzogtum erhoben), doch wurden vor allem unter den jungen Leuten, vor allem den Studenten, die Forderung nach einem geeinten Deutschland laut – zumal viele von ihnen selbst im Krieg gegen Napoleon gekämpft hatten. Derlei Forderungen blieben von den Obrigkeiten dieser Zeit allerdings unerhört.
Historische Persönlichkeiten und Ereignisse wurden ganz im deutsch-nationalen Sinne heroisiert bzw. zu entscheidenden Momenten der deutschen Geschichte stilisiert – so auch die Reformation und vor allem Martin Luther, der auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche übersetzt hatte. So kam es, dass sich ca. 500 Studenten und Professoren aus allen Teilen Deutschlands am 18. Oktober 1817 in Eisenach versammelten und nach einem Gottesdienst in der Georgenkirche hinauf zur Wartburg zogen, wo sie einerseits des 300. Reformationsjubiläums, aber auch des vierten Jahrestages der Völkerschlach bei Leipzig gedachten. Gleichzeitig forderten die Teilnehmer die Einheit aller deutschen Staaten sowie eine freiheitliche Verfassung, was das Wartburgfest von 1817 de facto zur ersten demokratischen Demonstration auf deutschem Boden machte.
Historische Persönlichkeiten und Ereignisse wurden ganz im deutsch-nationalen Sinne heroisiert bzw. zu entscheidenden Momenten der deutschen Geschichte stilisiert – so auch die Reformation und vor allem Martin Luther, der auf der Wartburg das Neue Testament ins Deutsche übersetzt hatte. So kam es, dass sich ca. 500 Studenten und Professoren aus allen Teilen Deutschlands am 18. Oktober 1817 in Eisenach versammelten und nach einem Gottesdienst in der Georgenkirche hinauf zur Wartburg zogen, wo sie einerseits des 300. Reformationsjubiläums, aber auch des vierten Jahrestages der Völkerschlach bei Leipzig gedachten. Gleichzeitig forderten die Teilnehmer die Einheit aller deutschen Staaten sowie eine freiheitliche Verfassung, was das Wartburgfest von 1817 de facto zur ersten demokratischen Demonstration auf deutschem Boden machte.
Seither hatten die deutschen Burschenschaften ein besonderes Verhältnis zu Eisenach, was im Laufe des 19. Jahrhunderts zu weiteren, kleineren Wartburgfesten und zum 1870 erstmals geäußerten Wunsch führte, in Eisenach ein Burschenschaftsdenkmal zu errichten, das zunächst vor allem Luther gewidmet sein sollte. Im selben Jahr brach aber der deutsch-französische Krieg aus, in dessen Nachgang 1871 das Deutsche Kaiserreich ausgerufen wurde. In diesem wiederum sahen vor allem die Burschenschaften die Erfüllung ihrer alten Forderungen nach nationaler Einheit. Das in Eisenach projektierte Burschenschaftsdenkmal sollte daher fortan vor allem an die Reichsgründung und die im deutsch-französischen Krieg gefallenen Burschenschafter erinnern.
Erst um 1890 nahm das Projekt eines Denkmals tatsächlich Gestalt an, als man als zukünftigen Standort den Wartenberg nördlich der Stadt wählte. Dieser Ort spielte auch während des Wartburgfests 1817 eine Rolle, da dort am Abend nach dem Fest die Verbrennung „undeutscher“ Literatur stattfand. Am 8. Juni 1897 fand auf dem Wartenberg schließlich die Grundsteinlegung des Denkmals statt.
Etwas über ein Jahr später starb der „Eiserne Kanzler“ Fürst Otto von Bismarck, für den schon bald darauf im ganzen Reich Gedenktürme, sog. Bismarcksäulen/-türme, errichtet wurden. Weil auch in Eisenach ein solcher Turm errichtet werden sollte und dafür nur der Wartenberg als geeignet erachtet wurde, wurden die Bauarbeiten am Burschenschaftsdenkmal aufgegeben und an seiner Stelle der Bismarckturm nach dem Entwurf Götterdämmerunug des Architekten Wilhelm Kreis erbaut.
Die Nachkommen des 1896 verstorbenen Ziegeleibesitzers Johann Georg Bornemann stellten stattdessen ein Gelände auf dem Gipfel der Göpelskuppe zur Verfügung, wo bald darauf der zweite Anlauf zum Bau des Burschenschaftsdenkmals gestartet wurde. Der Bau wurde als 33 Meter hoher Rundturm oder eine Art Säulenhalle konzipiert und ebenfalls von Wilhelm Kreis entworfen. Der Innenraum besteht aus einer Kuppel, die auf auf neun kräftigen Säulen ruht, zwischen denen acht Jugendstilfenster den Raum beleuchten. Die Kuppel zeigt ein monumentales Gemälde, das den nordischen Mythos der Ragnarök darstellt. Die Säulen tragen die Namen der Wegbereiter und Gründer der Burschenschaft und an ihren Sockeln standen monumentale Statuen, die u.a. Otto von Bismarck, Kaiser Wilhelm I. und Großherzog Carl August darstellten. Die feierliche Einweihung des Denkmals erfolgte am 22. Mai 1902.
In selben Jahr folgte auch der Bauantrag für ein Burschenhaus unweit des Denkmals, für das zunächst aber weder Baugrund noch Geld verfügbar war. Erst 1909 konnte ein kleines Gelände erworben werden und 1912 ein neuer Bauantrag, erneut mit einem Entwurf von Wilhelm Kreis eingereicht werden. Erneuter Geldmangel verzögerte die Fertigstellung des Gebäudes noch bis 1922. Zunächst zierte dessen Front noch ein dreieckiger Giebel, der von zwei Halbsäulen getragen wurde. In diesem Zustand ist das Burschenhaus, später als Berghof bezeichnet, auf der alten Ansicht aus den 20er Jahren noch zu sehen. Schon 1931 erfolgte ein Umbau des Gebäudes, bei dem der Giebel wieder verschwand.
Erst um 1890 nahm das Projekt eines Denkmals tatsächlich Gestalt an, als man als zukünftigen Standort den Wartenberg nördlich der Stadt wählte. Dieser Ort spielte auch während des Wartburgfests 1817 eine Rolle, da dort am Abend nach dem Fest die Verbrennung „undeutscher“ Literatur stattfand. Am 8. Juni 1897 fand auf dem Wartenberg schließlich die Grundsteinlegung des Denkmals statt.
Etwas über ein Jahr später starb der „Eiserne Kanzler“ Fürst Otto von Bismarck, für den schon bald darauf im ganzen Reich Gedenktürme, sog. Bismarcksäulen/-türme, errichtet wurden. Weil auch in Eisenach ein solcher Turm errichtet werden sollte und dafür nur der Wartenberg als geeignet erachtet wurde, wurden die Bauarbeiten am Burschenschaftsdenkmal aufgegeben und an seiner Stelle der Bismarckturm nach dem Entwurf Götterdämmerunug des Architekten Wilhelm Kreis erbaut.
Die Nachkommen des 1896 verstorbenen Ziegeleibesitzers Johann Georg Bornemann stellten stattdessen ein Gelände auf dem Gipfel der Göpelskuppe zur Verfügung, wo bald darauf der zweite Anlauf zum Bau des Burschenschaftsdenkmals gestartet wurde. Der Bau wurde als 33 Meter hoher Rundturm oder eine Art Säulenhalle konzipiert und ebenfalls von Wilhelm Kreis entworfen. Der Innenraum besteht aus einer Kuppel, die auf auf neun kräftigen Säulen ruht, zwischen denen acht Jugendstilfenster den Raum beleuchten. Die Kuppel zeigt ein monumentales Gemälde, das den nordischen Mythos der Ragnarök darstellt. Die Säulen tragen die Namen der Wegbereiter und Gründer der Burschenschaft und an ihren Sockeln standen monumentale Statuen, die u.a. Otto von Bismarck, Kaiser Wilhelm I. und Großherzog Carl August darstellten. Die feierliche Einweihung des Denkmals erfolgte am 22. Mai 1902.
In selben Jahr folgte auch der Bauantrag für ein Burschenhaus unweit des Denkmals, für das zunächst aber weder Baugrund noch Geld verfügbar war. Erst 1909 konnte ein kleines Gelände erworben werden und 1912 ein neuer Bauantrag, erneut mit einem Entwurf von Wilhelm Kreis eingereicht werden. Erneuter Geldmangel verzögerte die Fertigstellung des Gebäudes noch bis 1922. Zunächst zierte dessen Front noch ein dreieckiger Giebel, der von zwei Halbsäulen getragen wurde. In diesem Zustand ist das Burschenhaus, später als Berghof bezeichnet, auf der alten Ansicht aus den 20er Jahren noch zu sehen. Schon 1931 erfolgte ein Umbau des Gebäudes, bei dem der Giebel wieder verschwand.
In den Jahrzehnten nach einer Eröffnung entwickelte sich das Denkmal zu einer wichtigen Sehenswürdigkeit der Stadt und blieb auch während des Zweiten Weltkriegs nahezu unbeschädigt, wenn auch die Burschenschaften unter Hitler 1936 aufgelöst werden mussten. Ab 1949 lag Eisenach allerdings im Staatsgebiet der DDR, in deren ideologischem Programm das Burschenschaftsdenkmal keinen Platz hatte. Das Denkmal wurde von nun an praktisch totgeschwiegen, nicht mehr gepflegt und verfiel – die Fenster vermauert, das Deckengemälde ging verloren, 1963 wurden die Statuen im Inneren zerstört und auch eine Sprengung des Turms wurde zeitweise erwogen. Erst in den 1980er Jahren führten einige engagierte Einwohner der Stadt erste Pflegemaßnahmen am Gebäude durch.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 und der anschließenden Rückübertragung des Denkmals an die Deutsche Burschenschaft wurde das Burschenschaftsdenkmal schrittweise saniert und rekonstruiert, sodass es heute wieder zu den bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt Eisenach zählt, wenn auch die ideologische Ausrichtung der heutigen Burschenschaften immer wieder kontrovers diskutiert wird.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 und der anschließenden Rückübertragung des Denkmals an die Deutsche Burschenschaft wurde das Burschenschaftsdenkmal schrittweise saniert und rekonstruiert, sodass es heute wieder zu den bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt Eisenach zählt, wenn auch die ideologische Ausrichtung der heutigen Burschenschaften immer wieder kontrovers diskutiert wird.
Bilder:
Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
1920er Jahre
Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
24. Januar 2025