Ärztedenkmal

Ein deutschlandweit einzigartiges Monument…

Geht es um Denkmale für Kriegsgefallene, denkt man in erster Linie an die vielen Gefallenenehrenmale, die nach Kriegen, vor allem nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, in unzähligen Gemeinden errichtet wurden und an gefallene Soldaten erinnern. Ein Gefallenenehrenmal der besonderen Art stellt das Eisenacher Ärztedenkmal dar: es ist das deutschlandweit einzige Denkmal, das an die (ursprünglich im Ersten Weltkrieg) gefallenen Ärzte erinnert.
Dass sich dieses einzigartige Denkmal aber ausgerechnet in Eisenach befindet, geht auf die Bedeutung der Wartburgstadt als Kongressstadt im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zurück. Nachdem sich Eisenach Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem zentral gelegenen Eisenbahnknoten entwickelt hatte, fanden hier in den folgenden Jahrzehnten unzählige Versammlungen und Kongresse aller Art statt. So kam es auch, dass der 1872 gegründete Deutsche Ärztevereinsbund (Vorläufer der heutigen Bundesärztekammer) Eisenach ganze vierzehn Mal zum Austragungsort seiner Deutschen Ärztetage bestimmte: 1874, 1875, 1878, 1879, 1880, 1884, 1886, 1894, 1895, 1897, 1918, 1919, 1926 und 1997!
 
Als der Ärztetag 1897 in Eisenach stattfand, ließ der Deutsche Ärztevereinsbund anlässlich seines 25. Gründungsjubiläums im Eck zwischen Mariental und der Wartburgauffahrt ein Denkmal für seine beiden Gründer Dr. Richter und Dr. Graf errichten. Dieses später auch nur als Ärztedenkmal bezeichnete Monument wurde von Carl Janssen geschafften und fiel 1942/43 der Reichsmetallspende zum Opfer.

Als der Ärztevereinsbund 1926 erneut in Eisenach tagte, ließ er – diesmal aus Anlass seines 50. Gründungsjubiläums – wiederum ein Denkmal errichten. Dieses Denkmal galt allerdings den vielen im Ersten Weltkrieg gefallenen Ärzten und wurde am Karlsplatz direkt vor dem Diakonissenmutterhaus errichtet.
Dieses neun Meter hohe Denkmal aus Muschelkalk wurde von Prof. Hugo Lederer geschaffen und wurde am 27. Juni 1926 feierlich eingeweiht. An seinem Sockel befinden sich vier Relieftafeln aus Marmor, von denen drei Szenen der ärztlichen Fürsorge darstellen, während die vierte folgende Inschrift trägt:
Niemand hat grössere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Brüder
.


Auf dem Sockel aufstehend befindet sich ein Pfeiler, der von einer lebensgroßen und ursprünglich vergoldeten Figur des Äskulap (griech. Gott der Heilkunde) bekrönt wird. Einst befand sich an diesem Pfeiler folgende Aufschrift des römischen Dichters Horaz:

DULCE ET DECORUM EST PRO PATRIA MORI
(dt.: Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben.)


Auf der historischen Ansicht von ca. 1937 ist diese bronzene Aufschrift noch zu sehen. Nach dem Krieg stellte aber eben dieser Spruch für den Stadtrat einen Anlass dar, das im Krieg ohnehin beschädigte Denkmal 1950/51 abreißen zu lassen. Nach Protesten des Präsidiums des Deutschen Ärztetages in Bonn, wurde der Abriss jedoch von der Regierung der DDR unterbunden und nur die Aufschrift entfernt. So blieb das Denkmal zwar erhalten, wurde in den kommenden Jahrzehnten aber auch nicht mehr gepflegt und befand sich zur Wendezeit in einem verwahrlosten Zustand.

Erst mit Hinblick auf den 100. Deutschen Ärztetag, den die Bundesärztekammer 1997 erneut in Eisenach abhalten wollte, rückte eine Sanierung in greifbare Nähe. Auf Initiative des Eisenacher Arztes Dr. Gerhard Hasse rief diese nämlich gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Anfang der 90er Jahre zu Spenden für die Sanierung des Ärztedenkmals auf.
Bei den dann folgenden Restaurierungsarbeiten gab es sogar eine kleine Sensation: im Inneren des Sockels fand man eine äußerst gut erhaltene Schatulle aus Zinkblech, in der sich ein ca. 60 Seiten umfassendes Pergament mit den Namen aller 1914-18 gefallenen oder an den Kriegsfolgen verstorben deutschen Ärzte befand.
Diese Liste wurde auch im Zuge der Restaurierung gemeinsam mit einigen neuen Zeitdokumenten in einer neuen Schatulle wieder im Denkmal einmauert.
Im Mai 1997 konnte das restaurierte Ärztedenkmal pünktlich zum 100. Deutschen Ärztetag in Eisenach der Öffentlichkeit übergeben werden. Bislang nur an die gefallenen Ärzte des Ersten Weltkriegs erinnernd, wurde das Denkmal bei diesem Anlass auch um eine Glastafel ergänzt, auf der es fortan hieß:
Die Deutsche Ärzteschaft widmet dieses Denkmal allen Ärztinnen und Ärzten, die in Ausübung ihres Berufes Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft wurden
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Bilder:

Früher:
Sammlung Alexander Lambrecht
Ansichtskarte
gelaufen 1937

Heute:
Alexander Lambrecht
Fotografie
17. Mai 2023